Der BRNO 1972 Racing Fanclub EBSMS aus Zwickau Sachsen kümmert sich schon seit Jahren um die Gedenkstätte an der alten Rennstrecke Masarykring im tschechischen Brno. Der Schriftführer des Clubs, Herr Karl-Ernst Müller, ließ mir - anlässlich des 50. Todestages von Hans Baltisberger - folgenden Bericht und Fotos zukommen (Fotos: Rene Igel)
Am Freitag, 18.8.2006, 18 Uhr, ehrte der BRNO 1972 Racing Fanclub EBSMS mit einem eigenen und mit einem Kranz der Stadt Reutlingen an der Gedenkstätte für Hans Baltisberger den großen Rennfahrer.
 Frische Blumen und Kerzen an seinem Gedenkstein schmückten den Ort zum Zeitpunkt des Grand Prix der Tschechischen Republik.
 

Darüber hinaus brachten der tschechische und der deutsche Streckensprecher 20 Minuten vor Beginn des ersten Rennens am Sonntag auf dem Masarykring vor mehr als 100.000 Zuschauern auf Initiative des ehem. Ordnungsamtleiters der Stadt Zwickau Dipl.-Ing. Karl-Ernst Müller, Auszüge der Presseverlautbarung des BRNO 1972 Racing Fanclub EBSMS als Ehrung zu Gehör und verwiesen auf das Engagement des sächsischen Clubs. 


Der Lorbeerkranz, den Hans Baltisberger 1956 nicht hat erringen können, liegt nun, 50 Jahre nach seinem Todessturz mit einer Schleife mit Widmung der Stadt Reutlingen an der Gedenkstätte im Wald von Zebetin am alten Kurs nahe der sog. Farina-Kurve.

   
Mitglieder des BRNO 1972 Racing-Fanclub ehren den Reutlinger mit einer Gedenkstunde im Wald des Brünner Ortsteiles Zebetin  Herr Karl-Ernst Müller (mit blauer Mütze) erklärt den Mitgliedern des Racing Fanclubs, wie es zum Todessturz kam

An dieser Stelle befindet sich der Gedenkstein

 Zum linken Bild schreibt Karl-Ernst Müller:

Gegenüber, wo die Äste der Bäume über die Straße hängen, ist ein Ansatz einer Straße zu erkennen. Von dort kam H.B. Die Krümmung aus Blickrichtung nach links ist die neue Trasse seit 1964, ein Jahr, bevor der WM-Lauf nach Brünn kam (der Sachsenring hat ihn seit 1961-1972). Die "Todeskurve", von der man spricht, ist nur eine ganz leichte Krümmung aus Rennrichtung nach links, bei weitem nicht so scharf, wie die jetzt sichtbare Kurve. Sie entstand durch die Streckenverkürzung 1964, als die Ortschaft Zebetin, wie später 1975 auch die Ortschaft Novy Liskovec aus dem Kurs genommen wurde.

Ein Mitglied des BRNO 1972 Racing Club EBSMS der Unglückstelle im August 2012. Einige Meter links von ihm befindet sich das Denkmal. Hans Baltisberger kam aus Richtung Zebetin wie der weiße Transporter auf dem Foto.

Zum rechten Foto: Im Vordergrund die Leitplanke an der Straße, hinten haben Mitglieder des BRNO 1972 Racing Club EBSMS den Wald aufgeräumt, der Gedenkstein war vom Fällen mit einem riesigen Haufen Reisig halb verdeckt.
Auf der offiziellen Website der Stadt Reutlingen befindet befindet sich ein Artikel zum 50. Todestag
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Helmut Ohner aus Österreich hat auf seiner Webseite einen sehr guten Artikel anlässlich des 50. Todestags
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Von Herrn Müller erhielt ich noch diesen ergänzenden Text:

Als grüne Lungen bezeichnet man städtische Gebiete, die der Erholung dienen. Der Ortsteil Zebetin der tschechischen Messmetropole Brünn/Brno kann als solche Oase gelten. Ihn verbindet eine ca. 10 km lange Straße mit der historischen, geschichtsträchtigen Innenstadt.
Hügelige Landschaft, Mischwald und Wochenendgrundstücke machen die Gegend reizvoll. Ruhig bewegen sich heute Kraftfahrzeuge am Rande der mährischen Hauptstadt da, wo einst Autos und Motorräder rennfahrend dahinjagten. Kaum ein Zeichen gibt es noch, dass hier bis 1986 Motorsportveranstaltungen auf einem Straßenrundkurs, Masarykring genannt, abgehalten wurden.
Einen Streckenteil nannte man Baltisbergerkurve, in deren Ausgang abseits des Asphaltbandes im Walde eine Gedenkstätte in der Gefahr steht, dem Blick des Vorbeifahrenden entzogen zu werden, weil sie immer mehr zuwächst. Die Stelle bezeichnet den Ort, da am 26. August 1956 der erfolgreiche Reutlinger Rennfahrer Hans Baltisberger im sportlichen Vergleich stürzte und starb. Seitenwind und Fahrbahnnässe sollen dem symphatischen Sportler zum Verhängnis geworden sein und besiegelten sein Schicksal.

Letzter Start für Hans Baltisberger: 2. von rechts
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Dieses Bild hat Karl-Ernst Müller 1982 gemacht. Das Schild gab es ein einziges Mal beim letzten WM-Lauf am alten Masarykring, denn bis 1986 waren es dann nur noch EM-Läufe.

Es bezeichnet aber nicht die sog. Todeskurve, sondern
eine durch die Streckenverkürzung 1964 entstandene Kurve (die auch auf dem Bild mit dem roten Kreuz ist), die sich in der Nähe von derTodesstelle und Gedenkstätte im Wald von Kohoutovice befindet. 

Im Internet gefundene Nachrichten von offensichtlichen
Rallyeveranstaltungen sprechen heute noch von dieser Kurve als Baltisberger-Kurve.
 

 


 

Das nebenstehende Foto zeigt Adolf Söhnlein, den Errichter des aktuellen Gedenksteins im weißen Hemd 1991 zum 35. Todestag von Hans Baltisberger inmitten von Mitgliedern und Freunden des BRNO 1972 Racing-Fanclubs.

Es ist wohl die dritte Gedenktafel, die an den Unglücksort des Deutschen Meisters im Motorradstraßenrennsport, Hans Baltisberger aus Reutlingen, erinnert. Und sie ist auf Stein geschraubt, für die Dauer.

Der das tat, hat reichlich 50 Jahre nach dem Mann, den er am alten Masarykring im tschechischen Brünn/Brno ehrte, seinen Schicksalsweg nachvollzogen.

Am 17. 01.2007 verunglückte der Eichstätter Adolf Söhnlein mit seinem Motorrad bei einem Verkehrsunfall im 71. Lebensjahr tödlich.

Den Gedenkstein hat er 1979 unter den Mühen, die ein totalitäres Regime mit sich bringt, errichtet. 
 

In der Mitte Horst Kassner - er gewann das Rennen in Brünn 1956 - rechts Adolf Söhnlein, der Errichter des Gedenksteins An der Hans-Baltisberger-Gedenkstätte 1991. Diese Stätte wird im Kataster der Stadt Brünn als Denkmal geführt
Meine Herren!

Auf Grund von Zweifeln an der Übereinstimmung von Unfallort und Gedenkstein am alten Masarykring in Brno/Brünn, die insbesonders von Leuten kommen, die noch nie in Brno waren, gab ich in tschechischen Medien Inserate auf, um Zeitzeugen des Unfallherganges zu finden. Ich erhielt neun Äußerungen unterschiedlicher Qualität. 

Am 15.8.2007 begegnete ich Herrn Pawel Pawlicek, Na hraze 81, Chudcice u brna, Jahrgang 1941, der eine Übersetzerin mit guten Deutschkenntnissen mitgebracht hatte. Er war mit seinem Vater Zuschauer beim Rennen 1956 etwa 30 m vom Unfallort entfernt. Er bestätigt, dass der im Kataster der Stadt Brno als Denkmal ausgezeichnete und von Adolf Söhnlein, Eichstätt, errichtete Stein, die Stelle pflegt unser Club seit 1973, an der Straße von Zebetin nach Kohoutovice nahe der sog. Farinova-zatacka (Farina-Kurve) max. 30m vom Unfallort entfernt aufgestellt wurde. Zeuge dieser Begegnung und Aussage ist mein Bruder Michael Müller, Hauptstr. 8, 01612 Nüchritz OT Roda.


 Geschmückte Unfallstelle wenige Tage nach dem 26.8.1956

Die NSU Sportmax von Hans Baltisberger nach dem tödlichen Sturz in Brünn am 26. August 1956
Karl-Ernst Müller aus Zwickau recherchierte den Unfallort noch einmal auf eigene Faust

Damit gehört er zu den acht Motorradopfern, die der Kurs in seiner 75-jährigen Geschichte forderte und denen die Rennleitung des tschechischen Veranstalters 2005 in einem Fotoband ein schönes, literarisches Denkmal setzte. Es zeigt vor der Silouhette des wunderschönen Petresdomes in Brünn die Namen der Opfer.
Der Eichstätter Adolf Söhnlein beschaffte in den schwierigen Zeiten des Kommunismus in der Tschechoslowakei einen repräsentativen Stein mit den Lebensdaten, der ein Holzkreuz ersetzte.

Mitglieder des BRNO 1972 Racing Fanclub EBSMS aus Sachsen schmücken dieses Grab seit 1973 mit Blumen und Kränzen. Einst ging der Trampelpfad neben der Rennstrecke an dieser im Hochwald angelegten Stätte vorbei und fand viel Aufmerksamkeit bei den Motorsportfans. Seit 1987 gibt es dort keine Rennen mehr und die Narben der vielen Wanderer und Camper im Wald sind verheilt. Nur noch wenige Menschen treten zum Gedenkstein hinter der Metallleitplanke neben der  Straße.

Gegründet, auch aus oppositionellen Gründen, wurde der Motorsportfanclub 1986 unter Verwendung der Anfangsbuchstaben der (west-)deutschen Weltmeister, die wir bis dahin in Brünn erlebt hatten, Klaus Enders, Dieter Braun, Rolf Steinhausen, Anton Mang und Werner Schwärtzel. Denn Veranstaltungen wie hier, in Sachsen durften Sportler sog. kapitalistischer Staaten nach 1972 nur bedingt auftreten, haben das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen gestärkt. Und auch die Ehrung des Toten, den wir nicht kannten, kann man als einen Akt von Einigkeit von Ostdeutschen im fremden Land sehen. Deshalb steht auch in der Laudatio zum Bundesverdienstkreuz für Schriftführer K.-E. Müller, 2006 verliehen, von den Aktivitäten im Motorsport und die völkervindenden Kontakte in die Tschechische Republik seit 1972.

Bereits 1991 gab es für Hans Baltisberger eine Gedenkveranstaltung im Wald, zu der der Fanclub aktive Rennfahrer per Brief im Fahrerlager geladen hatte. Nach einem kurzen Zeremoniell mit Unterstützung der tschechischen Rennleitung hielt, verspätet eingetroffen, ein Taxi auf dem einst "heißen" Asphalt. Ein Mann stieg aus dem Fahrzeug und sagte: Ich bin der Sieger des Rennens, in dem Hans Baltisberger stürzte und starb. Mir lief es kalt den Rücken hinunter! Man hatte den Eindruck, die Vergangenheit komme zurück. Horst Kassner aus München hatte sich trotz vieler Probleme bei der Mechanikerarbeit an der Rennmaschine seines Sohnes Bernd aufgemacht, um den alten Kameraden zu ehren. Nach eigener Aussage hätte er die Stelle, über die 35 Jahre hingegangen waren, nicht wieder erkannt. Anwesend war auch das Mitglied der Rennleitung Josef Jersinsky, Großvater oder Großonkel der heutigen Pressechefin der DORNA, der spanischen Vermarktungsfirme des MotoGP, Eva Jersinska. Er bezeichnete den Todestag von H.B. als den schwarzen Sonntag", weil an dem Wochenende zwei Rennfahrer, außerdem der Franzose Michel Mouti, ihr Leben ließen.

Anlässlich des Grand Prix der Tschechischen Republik, Weltmeisterschaftslauf für Motorräder am 20. August 2006, wollen wir an den 50. Todestages von Hans Baltisberger, des Musikfreundes, dessen Bild wir nun aus Büchern kennen, erinnern. Den Kontakt zu seinem früh verstorbenen Sohn Harald herzustellen, gelang dem Fanclub nicht. Mit seiner Schwester Ilse gibt es auf Vermitttlung des Reutlinger Oberbürgermeisters Dr. Schultes schon länger Kontakte. Sie war es auch, die die Rennsportenthusiasten bat, die Stätte zu pflegen, solange sie an den Ort des Gedenkens reisen.

Außer Blumenschmuck aufstellen muss dann auch immer mit der Heckenschere gearbeitet werden, damit dieser Ort des Gedenkens, der an den Mut der Rennfahrer, aber auch an die Gefahren dieser Sportart erinnert, nicht zuwächst.
 

 

Zeitgenössischer Nachruf aus dem Jahr 1956
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Autogrammkarte
Bei einem Rennen in Tubbergen: H.B. mit Nummer 43
Rennszene H.B. auf NSU Sportmax
In Assen 1956: H.B. vor Luigi Traveri auf MV Agusta
Hans Baltisberger (73) auf dem Titel der Fachzeitschrift Das Motorrad im August 1951
Der letzte Sieg: Sachsenring 1956. Als nächstes Rennen kam Brünn.....
Auf unverkleideter Sportmax in Imola 1955
Sieger im Lorbeerkranz Badner Rennen 1954